Belgischer Schäferhund (Belgian Shepherd Dog)

20.08.09 von TierweltAdmin

 
Die „Rassen“ Malinois (Mechelaar), Tervueren, Groenendael und Laekenois  sind an sich Fellvarianten des Belgischen Schäferhundes, welcher im 19. Jahrhundert in Belgien entstand. Sie werden vom FCI auch alle vier unter der Nr. 15 geführt (Gr. 1, Sek. 1: Schäferhunde).


 

Ursprung & Geschichte
 

Ursprünglich waren die Schäferhunde Belgiens keine bestimmten Rassen sondern Arbeitshunde, die von Schäfern und Bauern gehalten und nach Arbeitstauglichkeit verpaart wurden. Der Laekenois gilt als älteste und auch seltenste der Varietäten vom Belgischen Schäferhund und entstand als einer dieser Arbeitshunde beim Königlichen Schloss von Laeken.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts begann man die Hunde wirklich nach ihrem Aussehen zu züchten.

 

Den ersten Zucht-Club hierzu (Club du Chien de Berger Belge) gründete 1891 von Prof. Dr. Reul in Brüssel.  Im folgenden Jahr bereits wurde die erste Zuchtschau für die belgischen Schäferhunde in Cureghem statt und auch der ersten Standard festgelegt.

Dieser Standard enthielt die drei Fellvarianten Langhaar, Kurzhaar und Rauhaar.

Jedoch wurde der Standard mehrfach überarbeitet, bis der heutige Standard mit den vier Fellvariäteten feststand. Die ersten Hunde wurden 1901 ins Zuchtbuch eingetragen, als erster der Malinois „Vos de Polders“.

 
Weitere Zuchtclubs entstanden und lösten sich auch wieder auf. Die beiden letzten dieser Clubs schlossen sich 1990 zur Königlichen Union der Klubs für belgische Schäferhunde zusammen.

Bis zum Aufkommen der Hundeausstellungen Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die vier Fellvarianten frei miteinander verpaart.
Und in der Tat gibt es nur drei Gene, welche die Varietäten des Belgischen Schäferhunds unterscheiden: 

1.    kurzes/langes Fell
2.    glattes/rauhaariges Fell
3.    Falbfarben mit Maske/Schwarz
Reinrassige Laekenois bringen auch heutzutage noch gelegentlich glatthaarige Welpen zur Welt, die je nach Verein in manchen Ländern als Malinois registriert werden können.

In den USA ist der Groenendael die beliebteste Variante, in Deutschland liegt der Malinois in der Beliebtheit weit vorne, abgeschlagen gefolgt vom Tervueren und weit dahinter dem Groenendael.
Für den Lakenois wurden 2008 z.B. gar keine Welpen beim VDH registriert.

 

 

Beschreibung

Allgemein Der belgische Schäferhund hat eine elegantes Aussehen und wirkt durch die Tragweise des Kopfes (höher als beim Deutschen Schäferhund) edel.  Sein Knochenbau ist leicht.
 
Körper Seitlich betrachtet ist der Hund idealerweise quadratisch gebaut. Die Schulter sollte steil abfallend sein und wenig Winkelung bei der Hinterhand vorliegen (sie sollte eher unter dem Körper stehen).
 
Kopf Der sollte nicht grob gebaut sein und die Haut dort eng anliegen.
 
Größe
 
Der Belgische Schäferhund sollte eine Widerristhöhe von 60-66 cm (bei Rüden) bzw. 56-62cm (bei Hündinnen) betragen. Die Idealwerte sind 62cm für Rüden und 58 cm für weibliche Hunde.
 
Gewicht
 
Je nach Größe haben die belgischen Schäferhunde ein Normalgewicht von 20 kg bis 25 kg (Hündin) bzw. 25 kg bis 30 kg (Rüde).
 
Haarkleid
 
Der Belgische Schäferhund wird in 4 Fellvariationen gezüchtet:
 
Malinois
 
    kurzhaarig                             
 
Tervueren       langhaarig                                      
 
Groenendael     langhaarig                                        
 
Laekenois     rauhaarig
Der Tervueren und Groenendael haben ein Doppelfell, dessen Textur sollte hart und dicht sein, niemals wollig, seidig, fein oder drahtig. Die Unterwolle sollte dick und üppig sein.

Fehlende Unterwolle gilt bei allen Varietäten als schwerer Fehler.
 
Farbgebung
Laut Standard sind Malinois, Tervueren und Laekenois falbfarben mit schwarzer Maske und schwarzer Wolkung (Charbonnage).

Tatsächlich variiert das Erscheinungsbild von sehr hellem, sandfarbenem Fell über rotbraunem  bis zu dunkelbraungrauem Fell.
Der Tervueren sollte eher Richtung rotbraun/mahagoni als Grundfarbe gehen, bei ihm ist ein kleiner Fleck Weiß auf der Brust sowie weiße Zehenspitzen tolerierbar.

Der Laekenois darf eine fehlende Maske und fehlende Färbung der Ohren aufweisen.

Der Groenendael ist einfarbig Tiefschwarz.
 



 

 

Charakter & Verwendung

Wesen

Der Belgische Schäferhund gilt als intelligent, aktiv, loyal und anhänglich ohne aufdringlich zu sein.
Als Heimtiere sind sie treu und bilden eine starke Bindung an ihre Familien, was bei einigen Unnahbarkeit gegenüber Fremden führt. Sie gelten als misstrauisch gegenüber Fremden.

Hinzu kommt durch die Hütehundvergangenheit ein ausgeprägter Beschützerinstinkt bei Malinois, Tervueren, Groenendael und Laekenois. Sie gelten als bereit Familie und Heim mit allen Mitteln zu verteidigen.
Belgische Schäferhunde sind sehr energievolle, intelligente Hunde, die viel Beschäftigung benötigen. Dieser Arbeitswille und Bewegungsdrang kann bei Unterbeschäftigung zu Verhaltensproblemen und destruktivem Verhalten führen.

Sie eignen sich daher nur für denjenigen, der viel Zeit und Energie über hat. Man sollte mindestens zwei Stunden am Tag einplanen, um mit dem Hund zu arbeiten. Dies sollte nicht nur Spaziergänge beinhalten, sondern auch ein Training, das den Belgischen Schäferhund geistig fördert, sei es Obedience (Gehorsamkeitstraining), Flyball, Agility, eine Schutzhunde-Ausbildung oder Hütearbeit.
Es heißt, dass die Belgischen Schäferhunde von Natur aus dominante Hunde sind. Da es sich um eine große und starke Rasse handelt, ist eine gute Erziehung und Sozialisierung essenziell, wenn man Schwierigkeiten vermeiden möchte. Gleichzeitig ist es aber eine sensible Rasse, die keine harten Trainingsmethoden verträgt.

Manche der Belgischen Schäferhunde können nervös/scheu sein oder auch aggressiv, was sowohl von den Genen und der Zucht sowie der Sozialisierung abhängt. Daher muss man sich seinen Belgischen Schäferhund umsichtig aussuchen und ihn mit einer großen Anzahl von Personen und Situationen in der Sozialisationsphase bekannt machen.
Ihr Beschützerinstinkt, ihre hohe Energie und Arbeitsfreude gepaart mit Dominanz und gleichzeitiger Sensibilität führen dazu, dass die Belgischen Schäferhunde als Anfängerhunde deutlich ungeeignet sind.

 

Verwendung

  • Hütehund
  • Schäferhund
  • Diensthund
  • Arbeitshund
Ursprünglich wurden Belgische Schäferhunde, wie der Name schon sagt, als Hüte- und Schäferhunde gezüchtet und eingesetzt.

Primär wird er weiterhin als Arbeitshund eingesetzt:  z.B. als Diensthund der Polizei, beim Zoll oder als Personenschutzhund.
 
In Deutschland gibt es bei den Behörden zum Teil Ausbildungsmöglichkeiten zum Schutz-, Fährten- und Stöberhund (Stöbern nach Personen und Gegenständen) sowie eine Zusatzausbildung (Dualverwendung) als Drogenspürhund, Brandermittlungs-, Sprengmittel-, Leichen- und Blutspür- sowie als Lawinen- und Verschüttetensuchhund.

Auch geben sie gute Wachhunde ab, da sie sehr wachsam und aufmerksam sind gegenüber kleinsten Veränderungen in ihrer Umgebung. Bei Hunde erfahrenen Besitzer sind die Belgischen Schäferhunde als Familienhunde und für den Hundesport geeignet, benötigen so eine Beschäftigung (s. Wesen) sogar. Hier kommen zum Beispiel Schutzhundearbeit, Hütearbeit, Agility, Gehorsamsübungen (Obedience), Flyball, Tracking und Mantrailing in Frage.

 

Gesundheitshinweise

Pflegehinweise

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Belgischen Schäferhunde beträgt 10 bis 14 Jahre.

Malinois -Fellpflege
Malinois benötigen etwa einmal pro Woche gründliches Bürsten, während des zweimaligen Fellwechsels im Jahr verlieren sie große Mengen an Fell und müssen täglich gebürstet werden. Daher sollte man sie bereits im Welpenalter daran gewöhnen.
Tervueren- und Groenendael -Fellpflege
Tervueren und Groenendael haben beide ein dichtes Doppelfell. Regelmäßiges Bürsten ist daher notwendig, um lose Unterwolle zu entfernen, aber im Allgemeinen tendiert das Fell nicht zum Verfilzen. Ein richtig texturiertes Tervueren- bzw. Groenendael -Fell ist etwas hart, liegt flach am Körper an (im Gegensatz zum abstehenden Samojeden -Fell z.B.).
Es gilt als Schmutz und Staub abweisend, aber Pflanzensamen  u. ä. können im fedrigen Fell der Beine hängen bleiben. Trotzdem muss es natürlich gebürstet werden und dies selbstverständlich häufiger als das kurze Fell des Malinois.
Die Tervueren und Groenendael werden in natürlichen Zustand ausgestellt, mit minimalen Beschnitt.